Erlangens fünfte Jahreszeit hat begonnen und das heißt auch der sogenannte Erlanger Tag bevorsteht. Wir halten tradtionionell am Bergdienstag fest und das heißt: Am kommenden Dienstag haben wir "nur" von 10:00 - 14:00 Uhr geöffnet. Allen, die es auf den Berg zieht wünschen wir viel Spaß, passt aufeinander auf. Allen anderen sei gesagt: zeigt Toleranz, es sind ja nur 12 Tage ;-)
Wer live komplett andere Musik als "oben" erleben will, dem präsentieren wir kommenden Mittwoch, 22.5.2013 Bauchklang im Erlanger E-Werk: Clubmusik, rein a capella. Wer die Jungs schon einmal, z.B. bei uns im Laden, live erlebt hat, muss eh hin, wer's noch nie gesehen sollte Bauchklang nicht verpassen.
Und wer am morgigen Samstag, 18.5.2013, wieder feinste elektronische Musik im Radio hören möchte, der sollte einschalten, wenn Moorman aka Todde bei Radio Z auf Sendung ist: HeadZ ab 22:00 Uhr auf 95.8 MHz oder natürlich im Livestream.
Und nun zu unseren dieswöchigen Empfehlungen,
beste Grüße und musikalische Pfingsten
Peter Bongartz mit Todde Jarks & Peter "Point" Gruner
Monsieur Perine "Hecho A Mano"
Bogotá tanzt zu Monsieur Perine
Letzte Woche das ganz bezaubernde neue Zaz-Album und heute nahtlos daran anknüpfend Monsieur Periné aus Kolumbien. Wenn der Sommer nicht richtig will, mit diesen Musiken spielen wir ihn euch ganz einfach in die Herzen. Monsieur Periné, das ist ein junges Septett um die Sängerin Catalina Garcia. Mit einem Lächeln spannen sie den Bogen vom Paris der 1930er ins Bogotá von heute. Es ist eine ungemein flockige Mischung aus Gypsy-Swing, Zaz-artigen Chansons und lateinamerikanischen Stilen wie Cumbia, Son, Bolero, Currulao, Tango und Samba. Hier und da äugt eine Django-Reinhardt-Gitarre um die Ecke und immer wieder setzen Bläser dieser wunderbaren Sommermusik die Krone auf. Catalina Garcia singt mal spanisch, mal französisch, die handgemachte Musik läd zum Tanz auf der Terrasse und macht unendlich viel Spaß. "Suin a la columbiana" nennen Monsieur Periné ihre Musik, mit der sie ihr Heimatland im Sturm erobert haben, wenn sie in Europa auch nur auf halbwegs offene Ohren stoßen, werden sie auch eure Herzen erobern.
Es gibt genau zwei Covermotive, die Blues- und Roots-Musiker niemals wieder und unter keinen Umständen mehr verwenden dürfen: Eisenbahnschienen und der Schaukelstuhl auf der Veranda. Anders verhält es sich, wenn (wie im vorliegenden Fall) das Cover ein smarter Nadelstreifen-Typ mit Hut ziert, der uns ohne große Umschweife in den Zug setzt, mit uns in den amerikanischen Süden der Vorkriegszeit tuckert, um uns dort im mentalen Schaukelstuhl einen musikalischen Southern Comfort zu servieren. Eigentlich ist Luke Winslow-King mit seinen 30 Jährchen viel zu jung für solche Zeitreisen, aber seit Retro das neue Modern ist, braucht man sich darüber nun wirklich keine Gedanken mehr machen. Vor allem wenn der Roots-Cocktail so charmant und gekonnt angerichtet wird wie von dem us-amerikanischen Sänger, Slide-Gitarristen und Songschreiber: Deltafolk, Blues, Ragtime, Dixieland und eine Prise Rock ’n’ Roll vermengt Winslow-King mit ruhiger Hand zu einem stimmungsvollen Akustik-Sound, der von Kontrabass und Klamottenkisten-Schlagzeug lässig getragen wird und dem Sängerin Esther Rose und Trompeter Ben Polcer regelmäßig Sahnehäubchen aufsetzen. Winslows Stimme und auch sein unaufgeregtes Slide-Gitarrenspiel erinnern mitunter etwas an Eric "Old Sock” Clapton - wer dessen Kooperation mit Wynton Marsalis schätzt, sollte hier genauso ein Ohr riskieren, wie Ry-Cooder- und JJ-Cale-Fans. Und dass der Mann, der eigentlich aus Michigan stammt, seit 2001 in New Orleans lebt und arbeitet, hört man seiner Musik erst recht an.
Natalie Maines "Mother"
Wild Chick: Erstes, rockiges Soloalbum der Dixie-Chicks-Sängerin
Sag mir wen du coverst und ich sag dir wer du bist: Nach ihrem Millionen-Erfolg mit den grammy-dekorierten Dixie Chicks offenbart uns Natalie Maines ihr Rockerinnen-Herz und erfreut uns mit einer ausgewogenen Mischung teils überraschender Interpretationen und eigener Songs. Ben Harper als Co-Produzent und Gitarrist ist hierbei sicher eine gute Wahl, schließlich gehört er zu den geschätzten Musikern, die durchaus ordentlich auf die Mütze hauen können, ohne sich in breitbeinigem Gedöhns zu verlieren. So gefallen die lauteren Stücke des Albums, wie Eddie Vedders "Without you” oder Harpers eigenes "Trained” mit kerniger Gitarrenarbeit und Maines kraftvoller, tragender Stimme, die klischeehafte Rockismen meidet und gerade deshalb mitreißt. Ganz wunderbar gelingen ihr auch die Balladen, allen voran die epische Version von Pink Floyds "Mother”, ein Song, der in dieser entschlackten Version ganz neue Qualitäten offenbart. Ihren Country-Background kann und will Maines dabei freilich nicht verleugnen und manchmal bewegt sie sich auf ähnlichem Terrain wie Lucinda Williams, allerdings ohne deren seelenzerfressende Verzweiflung. Ein schönes, rootsiges Heartland-Rock-Album von einer großen Sängerin.
Er swingt und swingt und swingt - Parov Stelar ist mit einer neuen Spielweise der von ihm perfektionierten Electro-Swing-Bewegung zurück. Auf "The Invisible Girl” schafft es der Österreicher mit zwei Solisten (und wenigen Gästen) aber ohne Band den Groove am Kochen zu halten. Mit feinsten Samples, Beats und flockigen Klängen lässt er Trompeter Jerry Di Monza und Saxophonist Max The Sax Raum, um ihr jazziges Können einfließen zu lassen. Die knackig kurzen Tracks eignen sich dabei immer, um mindestens in Bewegung zu kommen. Und werden sie im Rahmen einer Tanzveranstaltung kredenzt, wird man sich wohl kaum zurück halten können, das musikalisch gelockerte Bein zu schwingen. Die zehn Lieder rauschen dabei so frühlingshaft frisch durch, dass man augenblicklich Lust bekommt, sich den Sommerwind durch die luftige Kleidung flattern zu lassen und zuweilen wild durch Blütenmeer zu hopsen. Auch auf "The Invisible Girl” beweist uns Parov Stelar also, dass er der wahrhaftige Großmeister dieser weiterhin so schwungvollen Richtung ist und bleibt.
Portico Quartet "Live Remix"
Horizonterweiterung des englischen Jazz-Ensembles
Das Portico Quartet ist wahrscheinlich die frischeste Jazz-Band der Insel und zumindest dort sogar unerreicht. Dass sie aber nicht nur im Studio, sondern auch live ihre musikalische Leidenschaft in Töne ummünzen können, zeigt uns dieser ausgesprochen eindrucksvolle Konzert-Mitschnitt. Mit Ambient-Sounds fängt uns das Quartett zu Beginn ein, um fortan den Spannungsbogen weiter zu spinnen. "City of Glass” ist dann auch gleich der Track, mit dem das Portico Quartet zeigt, aus welchen zeitgenössischen Zutaten sie ihre mitreißend sphärischen Sound-Gebilde verschrauben: weite, flächige Synthies, schöne Hang-Loops, treibende Grooves und wunderbar getragene Soli. Eine moderne Verknüpfung von Elektronik und analogen Instrumenten zu einer Art Dancefloor-Jazz. Wohin die Reise dann gehen kann, ist nicht nur im Verlaufe der Live-CD zu erleben, sondern auch an der erquicklichen Zusammenstellung von Remixen auf der zweiten CD.
Inhalt:
Sixto Rodriguez ... Noch nie gehört? Dabei war der mexikanisch-stämmige Singer-Songwriter einst gefeiert wie Bob Dylan und Elvis Presley zusammen – allerdings ausschließlich in Südafrika. Hier wurde in den 70ern sein Album "Cold Fact" zum Soundtrack der Antiapartheidbewegung. In Rodriguez’ Heimat hingegen, den USA, wusste niemand von seinem Ruhm, auch nicht er selbst. Zwei südafrikanische Fans begeben sich eines Tages auf die Suche nach ihrem Idol, um das sich viele Gerüchte ranken, vor allem um dessen vermeintlichen Selbstmord. Was sie am Ende entdecken ist weit mehr, als sie sich erhofft hatten.
Searching For Sugar Man ist die unglaubliche und märchen-gleiche Geschichte eines Stars, der keiner sein sollte, eines genialen Musikers, dessen Zeit noch nicht gekommen war. Regisseur Malik Bendjelloul porträtiert in seiner filmischen Reise die stille Seite des Ruhms und eine faszinierende Persönlichkeit.
Pressestimmen:
"Authentisches, wahrhaftiges, sehr unterhaltsames Real-Märchen" (Deutschlandradio Kultur)
"SEARCHING FOR SUGAR MAN funktioniert wie ein Thriller, dessen Geschichte wahrhaft stranger than fiction ist... Packender und origineller wurde die eigentlich ja altbekannte Geschichte vom verkannten Genie selten erzählt." (Sven van Rehden, Der Standard))
"Eine der größten unerzählten Geschichten des Rock'n' Roll." (Clash)