Artikel

Bruce Springsteen - "Western Stars"

Mal wieder ganz anders: Bruce singt oppulenten California-Country-Pop

 

 

Einer der vielen faszinierenden Aspekte an Bruce Springsteen ist, dass er einerseits einen für ihn typischen Trademark-Sound erschaffen hat, dass aber andererseits fast jedes seiner Alben einen ganz eigenen Charakter hat: Die hochromantische, ausufernde Experimentierfreude von “The Wild, The Innocent & The E-Street Shuffle” lässt sich nicht vergleichen mit dem düsteren, kargen Realismus von “Nebraska”, der breitbeinige Arena-Rock von “Born in the USA” nicht mit dem Straßenmusikantenzauber von “The Seeger Sessions” oder dem polierten Pop von “Tunnel of Love”. Und auch “Western Stars” klingt nun wieder ganz anders als der Vorgänger “High Hopes” vor fünf Jahren, ja anders als alles, was Springsteen in seiner langen Karriere gemacht hat. Von einem Country-Album war vorab die Rede, doch das stimmt nur zum Teil, auch wenn akustische Gitarren und eine klagende Steel-Guitar das Album über weite Strecken prägen. Doch so nüchtern wie einst auf “Nebraska” und “The Ghost of Tom Joad” klingt hier gar nichts: Üppige, melodramatische Streicher durchwehen diese 13 neuen Songs, ferner kommen Bläser, Frauenchöre, Akkordeon und twangige Gitarren zum Einsatz - trotzdem klingt “Western Stars” luftiger als das meiste, was Bruce seit seinem Comeback Anfang des Jahrtausends produziert hat. Springsteen singt in ruhigem Tonfall von Charakteren, die ihm schon immer am Herzen lagen: Die Gescheiterten, die Gestrandeten und die Heimatlosen, die von missglückter Liebe und verpassten Chancen Gezeichneten, denen nichts mehr bleibt ein letztes Fünckchen unrealistische Hoffnung. Politsche Kommentare verkneift er sich diesmal ganz, lieber singt er vom ewig ruhelosen “Hitchhiker” oder eine sanft rockende Ode an “Sleepy Joe’s Café”, eine der wenigen Nummern, die ein bisschen an seine E-Street-Band erinnern, von denen hier übrigens niemand mitspielt, außer gelegentlich Ehefrau und Sängerin Patti Scialfa, Geigerin Soozie Tyrell und der erste E-Street-Keyboarder David Sancious. “Western Stars” ist ein warmes, wehmütiges, sanft tröstliches Album voller ausschweifender Pop-Melodien, raffinierter Arrangements, Roy-Orbison-Grandezza und kalifornischer Leichtigkeit. Mit fast 70 Lenzen hat Bruce Springsteen mal wieder gewagt und mal wieder gewonnen.

 

CD: Preis auf Anfrage LP: Preis auf Anfrage LP limitiert: Preis auf Anfrage

 

Reservierung / Versand

 

Video / Songbeispiel