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Jan Garbarek & The Hilliard Ensemble - "Remember Me, My Dear"

Göttliche Versenkung: Der Live Nachschlag des Crossover-Projekts

 

 

“Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen”, lautet ein bekanntes Bonmot unseres verstorbenen, nicht immer so klugen Altkanzlers Helmut Schmidt. Vielleicht sollte, wer Visionen hat, besser eine Plattenfirma gründen. Wie Manfred Eicher zum Beispiel, der 1994 die kühne Idee hatte, den norwegischen Word-Jazz-Saxophonisten Jan Garbarek und das britische Hillard Ensemble, ein Vokalquartett mit Schwerpunkt Alte Musik, zusammenzubringen. Das Ergebnis, das Album “Officium” und seine beiden Nachfolge-CDs, zählen zu den erfolgreichsten Produktionen von Eichers Label ECM. “Das ist die Musik, die Coltrane im Himmel hört”, kommentierte ein Kritiker die gelungene Kooperation. Auch auf dem jetzt erschienenen Live-Nachschlag “Remember Me, My Dear” entfaltet sich der sakrale Zauber auf’s Schönste: Aufgenommen während der letzten Tournee der Gruppe im Oktober 2014 in einem Schweizer Gotteshaus, präsentieren Garbarek und das Hillard Ensemble ein Programm, das von mittelalterlichen Gesängen von Hildegard von Bingen oder Guillaume le Rouge bis hin zu neuzeitlichen Kompositionen wie Arvo Pärts “Most Holy Mother of God” reicht. Im weiten, hallreichen Klangraum der Kirche wird der sonore Mehrklang der Hillards von Garbareks Sopransaxophon-Improvisationen luftig umspielt, kommentiert und, als wäre das Instrument eine fünfte Stimme, erweitert. Und nein, man muss nicht gläubig sein, um sich von dieser meditativen, seelenvollen Gebetsmusik betören zu lassen. Aber man könnte es werden.

 

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