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Leyla McCalla - "The Capitalist Blues"

Persönlich, politisch und virtuos - Leyla McCalla vermag mit ihrem dritten Album alles zu sein!

 

 

Ja, die Amerikanerin mit haitianischen Wurzeln war bei uns schon immer ein Tipp - nicht erst seit sie an der Seite von Rihannon Giddens bei den Carolina Chocolate Drops agierte. Auch auf ihrem neuen Solo-Album “The Capitalist Blues” beeindruckt die Multi-Instrumentalistin und Sängerin mit einer unglaublichen Mischung verschiedener Stile. Fühlt man sich beim ersten Lied (gleichzeitig Titelsong) noch in eine rumpelige Jazz-Bar irgendwo im Mississippi-Delta katapultiert, zieht uns “Money Is King” alsbald hüftwackelig durch die halbe Karibik, um uns gehörig den Calypso ins Ohr zu pusten. Natürlich nicht, ohne auch hier noch mal eben (natürlich freundlich groovend), die Überbewertung und partielle Perversion im Umgang mit Geld auf einen tanzbaren Punkt zu bringen. Nach zwei Ausflügen in einer mir unverständlichen Sprache (wahrscheinlich haitianisches Kreolisch), nimmt “The Capitalist Blues” eine jähe Wendung und beglückt fortan mit amtlichen Indie-Folk-Songs in eher getragenem Tempo. Als besonders eindrücklich entpuppt sich hierbei “Aleppo”, dessen schmerzliche Botschaft durch fies verzerrte Gitarrensounds klar zum Ausdruck gebracht wird. Damit wir aber nicht schon zur Hälfte des Albums im grausamen Meer des Zeitgeschehens ertrinken, schippert Leyla McCalla gemächlich hawaiianisch vorüber und rettet uns aus den trüben Untiefen mit einer milde lächelnden Aloha‘Oe-Melodie. Wer danach noch Lust auf einen Zydeco-Absacker hat, wird ebenso behänd untergehakt und bekommt von Leyla noch ein paar persönliche Geschichten über Liebe und Beziehungen mit auf den Weg ... und nach gut 43 Minuten ist der ganze, kurzweilige Zauber bereits vorbei und man reibt sich staunend die Ohren. Was für ein Album!

 

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